Tomislav Perko: Vom Aktienhändler zum gesponserten Weltentramper

Herr Perko, wie wird man vom Aktienhändler zum Tramper?

Ich war nicht der gewöhnliche Aktienhändler. Ich habe Anzug und Krawatte getragen, aber wenn ich nach der Arbeit heimgekommen bin, habe ich mit den Couchsurfern, die gerade bei mir wohnten, Bier getrunken und Joints geraucht.

Im Job hat trotzdem alles geklappt?

Und wie. Sie nannten mich „The Fastest Finger“. Für mich war das wie Glücksspiel, als ob ich ins Kasino gehe. Ich war 22, also sehr, sehr jung. Und ich verdiente gut, bin viel herumgereist, hatte einen neuen Laptop, während andere nicht mal Geld für einen Kaffee hatten. Manchmal habe ich 2 000 Euro am Tag gemacht. Ich bin rumgelaufen, habe das Geld von meinen Eltern, meinen Tanten und von Freunden genommen: „Ich lege das für euch an, macht euch keine Sorgen, ihr könnt nichts verlieren.“

Dann kam die Finanzkrise …

Ja, und ich konnte zusehen, wie alles, was ich in zwei Jahren aufgebaut hatte, innerhalb von ein paar Wochen zerbröselte. Aber es war zu spät, das Geld war weg. Mir wurde bewusst, ich würde zehn Jahre arbeiten müssen, um da rauszukommen. Andere Leute hatten sogar ihre Lebensersparnisse verloren. Ich fragte mich: Warum mache ich das? Weil mich der Adrenalinrausch reizt?

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Was haben Sie dann getan?

Ich habe aufgehört. Das war eine ziemliche Befreiung. Aber im gleichen Moment habe ich mich recht verloren und deprimiert gefühlt. Ich hatte einen neuen Job in einer Saftbar, der mir echt Spaß gemacht hat, tolle, positive Leute um mich. Doch wenn ich abends im Bett lag, dachte ich an meine Schulden. Wie sollte ich da jemals wieder rauskommen?

Woher kam die Idee: vielleicht einfach erst mal abhauen?

Die Leute, die auf meiner Couch übernachtet haben, meinten: „Yeah, vielleicht haben wir Schulden oder sonst was in unserem Leben, von dem wir eine Pause brauchen, also reisen wir um die Welt.“ Und die wirkten recht glücklich damit.

Heute ist Perko vor allem als Speaker unterwegs und verfolt statt Reiseplänen ein größeres Projekt: Was, verrät er nicht, nur: „So etwas wie Präsident von Kroatien werden.“ Fünf Jahre hat er sich für die Umsetzung vorgenommen. Und natürlich keinen Plan B.
Heute ist Perko vor allem als Speaker unterwegs und verfolt statt Reiseplänen ein größeres Projekt: Was, verrät er nicht, nur: „So etwas wie Präsident von Kroatien werden.“ Fünf Jahre hat er sich für die Umsetzung vorgenommen. Und natürlich keinen Plan B.
Was gab den Anstoß, es dann wirklich zu versuchen?

Vielleicht, dass ich dieses Mädchen, Chloe, getroffen habe. Ich kündigte den Job in der Saftbar, um bei ihr in Berlin zu leben. Dort war nach zwei Tagen klar, es klappt nicht. Ich bin raus aus Chloes Wohnung, hatte ein paar Hundert Euro in der Tasche und zwei Optionen: zurück nach Zagreb oder weiter in die entgegengesetzte Richtung und gucken, was kommt.

Traurig, aber auch großartig. Die absolute Freiheit …

Traveln ist kein Urlaub. Viele denken: „Oh, du sitzt in Thailand am Strand, schlürfst Cocktails und lässt dich massieren.“ In Wirklichkeit ist es eher so: Ich bin in Indien und liege krank im Hostel; ich halte sieben Stunden den Daumen raus, bis mich einer mitnimmt; ich schlafe in Mosambik unter einem Lkw.

Wann wurde aus dem Herumreisen ein neuer Job?

Nach einem Jahr, als eine Menge Leute meine Geschichten zu lesen begannen, dachte ich: Wie wäre es, wenn ich – etwa durch Sponsoren – ein Einkommen generiere und vielleicht niemals zurück in irgendeinen Nine-to-five-Job muss.

Es können nicht alle Traveller sein. Was raten Sie dem, der im Job unzufrieden ist?

Guck in den Spiegel und frag dich, was du willst. Vielleicht, wenn du betrunken bist. Dann sind wir absolut ehrlich, auch zu uns selbst. Rede nicht mit anderen, du weißt selbst, was aus deinem Leben werden soll.

Und wenn ich es dann weiß?

Wenn du zum Beispiel diesen einen Job willst, verwende drei Jahre deines Lebens darauf, ihn zu kriegen. Einfach bewerben und nach einem Monat sagen: „Was soll’s, ich hab’s probiert …“, das ist nicht wirklich Versuchen.

Falls es nicht klappt?

Wenn du nach drei Jahren feststellst: „Okay, das, was ich wollte, jetzt will ich es nicht mehr. Aber diese andere Sache hier klingt nach einer tollen Idee.“ Dann hast du einen neuen Plan A.

Wenn ich nicht vorher zu Plan B gewechselt bin …

Ich glaube, ein Plan B ist das Schlimmste, was dir passieren kann. Wenn ich was will, fokussier ich mich nur darauf. Will ich reisen, reise ich. Wenn ich auf Mädchen stehe, tue ich alles, um es zu bekommen. Jahre, nachdem ich nach Berlin gegangen war, hat es auch mit Chloe geklappt, am anderen Ende der Welt. Aber das ist eine andere Geschichte.

Das Interview führte Business-Punk-Autor Matthias Lauerer.

Dieser Artikel stammt aus der neuen Business Punk Ausgabe 02/2016 – jetzt am Kiosk, beim Bahnhofsbuchhandel
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