Mozilla-Managerin Barbara Bermes über Erfolg und Frauen in der Tech-Branche

Das Internet ist Barbara Bermes‘ Dauer-Herausforderung. Die Mozilla-Firefox-Produktmanagerin jettet zwischen Toronto und dem Silicon Valley, um das Netz jeden Tag ein Stück besser zu machen. Wir haben mit ihr über ihren Job und Frauen in der Tech-Branche gesprochen.

Frau Bermes, was gefällt Ihnen am meisten als Produktmanagerin bei Mozilla?

Ich finde es toll, dass wir als alternativer Browser Dinge produzieren oder ausprobieren können, die anderen Big Playern wegen ihrer Geschäftsmodelle nicht möglich sind. Und mir gefällt, dass wir Open Source sind: Wenn jemand etwas an unserem Produkt anpassen möchte oder auch vermisst, kann es die Person selbst bauen – also Code einstellen und neue Features entwickeln. Ein weiterer Vorteil von unserer Open-Source-Software ist, dass jeder, der konkrete technische Fragen hat, wissen möchte, wie wir arbeiten oder was im Code steht, einfach auf Github gehen und sich den Code anschauen kann.

Und wie sieht sonst der Alltag im Office aus?

Meetings. Mit allen möglichen Teams und Leuten, die am Produkt mitarbeiten. Am Ende vom Tag kann ich sagen, dass ich erfolgreich war, wenn ich das Team daran erinnert habe, was unsere nächsten Ziele sind und wie wir am besten dahin gelangen. Ansonsten: Mails checken. Ideen aufgreifen und verstehen, welches Nutzerbedürfnis wir damit erfüllen können und sie dann eventuell weiterpitchen. Und natürlich allgemeine Produktentscheidungen treffen, das gehört zum Job dazu. Aber das mache ich auch nur, wenn ich wirklich von allen gehört habe, was sie denken.

Als Produktmanagerin bei Mozilla arbeiten Sie in leitender Position. Sie entscheiden über Erfolg oder Misserfolg. Hadern Sie manchmal mit Entscheidungen?

Wenn das Endergebnis einmal wirklich unklar ist, dann ja. Ansonsten mag ich das aber gerne. Das Team hilft mir ja und ich vertraue ihnen, sodass es relativ einfach ist, Entscheidungen zu treffen.

Entwickeln Sie auch Ideen für neue Produkte und Updates?

Produktmanager haben noch das Image, dass sie immer die besten Ideen haben. Davon habe ich mich aber verabschiedet. Ich will jedem die Chance geben, etwas einzubringen, um dann zu sehen, wie es zur Vision und zur Strategie passt. Von daher: Ich würde nie sagen, dass nur ich die Ideen mache.

Welche Eigenschaften braucht man als Produktmanagerin?

Empathie, nicht nur für den User, sondern insbesondere für das Team. Außerdem muss man zuhören können. Ich vergleiche mich oft mit dem Coach eines Sportteams: Die Hauptakteure sind die Teammitglieder und eine meiner wesentlichen Aufgaben besteht darin, das Team dabei zu unterstützen, das Ziel unseres Produkts zu erreichen. Respekt vor jeder Rolle im Team ist dabei ebenfalls unabdingbar.

Woher nehmen Sie diese Motivation?

Wenn ich im Team merke, dass diskutiert wird, heißt das für mich, dass das Produkt und ihre Arbeit den Mitgliedern wichtig sind. Deswegen versuche ich immer, transparent und offen zu sein und sie zu konstruktiver Kritik in Gesprächen anzuhalten.

Empathie und Kritikfähigkeit sind Ihnen also sehr wichtig. Wie würde Ihr Team Sie beschreiben?

Als loyal und selbstreflektiert. Was ich allerdings auch sehr oft von den Kollegen in Kalifornien höre ist, dass ich sehr “deutsch” sei.

Sehr deutsch? Was heißt das konkret?

Gemeint ist damit, dass ich schnell zum Punkt komme, damit man aus den Meetings mit klaren Action Items herausgeht. Außerdem versuche ich immer, eine Agenda ins Meeting mitzubringen. Das wird ab und an mit einem Schmunzeln quittiert und dann heißt es wieder „ah, the German“.

Über das Silicon Valley liest man ja sehr viel. Wie erleben Sie diesen Ort? 

Am Anfang war es ein Wow. Aber ja, wenn du da bist, siehst du dann schon die Bubble. Es kann immer sein, dass du gerade Teil eines Produkttests bist.

Alle sind auf der Suche nach dem „Next Big Thing“. Es ist wichtig, die Menschen im Silicon Valley gelegentlich daran zu erinnern, dass dort zwar tolle Ideen entwickelt werden, es aber nicht der Mittelpunkt der Welt ist.

Barbara Bermes im Office in Berlin © Mozilla

Und Ihr erster Tag im Büro – wie war der?

Da habe ich erst mal nur zugehört. Das ist ganz wichtig, dass man erst mal versteht, was für Menschen mit im Team sind, was ihre Rollen, Aufgaben, Wünsche und Probleme sind. Und das war echt erst mal nur Input, Input, Input.

Wie schafft man es in der Tech-Branche erfolgreich zu sein?

Viele Fragen stellen. Jeder von uns könnte zum Beispiel ein guter Produktmanager sein. Schau auf die Umwelt, was nicht funktioniert und frage dich, was du tun kannst, um ein Produkt oder einen Service zu entwickeln, der genau das löst.

In der Tech-Branche arbeiten nur wenige Frauen. Denken Sie, Frauen haben es einfach schwerer als ihre männlichen Kollegen?

Ich muss ehrlich sagen, dass ich glücklicherweise selten wirklich Probleme hatte. Ich hatte keine spürbaren Nachteile oder musste mir unpassende Kommentare anhören. Trotzdem ist mir bewusst, dass es das in der Branche gibt. Und daran sollte man unbedingt arbeiten. Zugleich dürfen wir uns als Frauen aber auch nicht einschüchtern lassen und sollten uns öfter daran erinnern, selbstbewusst aufzutreten.

Was müsste Ihrer Meinung nach passieren, damit mehr Frauen den Weg in die Branche finden?

Ich glaube es ist wichtig, dass Frauen ein bisschen selbstbewusster werden und sich viel austauschen. Es gibt viele öffentliche Gruppen auf Slack zu “Women in Tech“. In größeren Städten gibt es auch Meetups. Frauen sind auch beim Bewerben eher zurückhaltend. Man muss nicht fünf von fünf Sachen in den Requirements erfüllen. Unternehmen sollten auch deswegen die Anforderungen bewusst so kurz wie möglich halten. Und Firmen sollten auch mehr darauf achten, Frauen als Speaker bei Konferenzen zu engagieren.

Facebook, DSGVO und Co. Das Thema Datenschutz und Privatsphäre im Netz ist total aktuell. Wie stehen Sie dazu?

Diese Themen sind ausgesprochen wichtig und bei Mozilla immer Grundprämisse unserer Produkte. Ich finde es sehr wichtig, dem User zu erklären, was Privatsphäre und Sicherheit eigentlich bedeuten. Wir haben bei Mozilla viel User Research gemacht und dabei herausgefunden, dass viele noch gar nicht richtig wissen, was etwa Privates Surfen und Cookies genau sind. Das müssen wir unbedingt ändern.

Wie könnte die Zukunft für sicheres Surfen denn aussehen?

Transparent. Wir müssen die Nutzer respektieren. Gerade in Hinblick auf Werbung und darauf, welche Daten der Provider sammeln will.

 


Nicole Plich

Nicole studiert den Klassiker „Irgendwas mit Medien” und hat noch den idealistischen Anspruch mit Wörtern die Welt zu bewegen. Wenn sie im Internet mal nicht nach lustigen Donald Trump-Memes sucht oder Fantheorien zu Game of Thrones liest, interessiert sie sich für Popkultur, Wirtschaft und was im Bundestag so vor sich geht.

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