Transparente Gehälter wirken sich schlecht aufs Arbeitsklima aus

Jede Firma hat so ihre eigenen Gesetze der Unternehmenskultur. Ein Gebot scheint aber fest in einem inoffiziellen Office-Knigge verankert zu sein: „Über Gehalt spricht man nicht“. Viele Arbeitnehmer wünschen sich aber eine transparente Gehaltspolitik. Endlich wissen, wieviel der Kollege für seine mehr oder weniger produktive Leistung so im Monat kassiert und ob da eine eigene Lohnerhöhung mal angebracht wäre.

Transparente Gehälter? Besser nicht

Eine neue Harvard-Studie der Wirtschaftsprofessoren Zoe Cullen und Bobak Pakzad-Hurson kommt allerdings zu dem Ergebnis, dass eine hohe Gehaltstransparenz die Durchschnittslöhne um bis zu 25 Prozent senkt. Die Daten, die zu diesem Ergebnis geführt haben, stammen zum einem aus Analysen der Minijob-Plattform Task Rabbit in den USA und zum anderen aus einem eigens durchgeführten Feldexperiment.

Der Grund für die niedrigeren Löhne nennt sich Gleichgewichtseffekt. Verhandelt ein Bewerber im Vorstellungsgespräch besonders geschickt und wird besser bezahlt als seine künftigen Kollegen, bleibt das kein Bürogeheimnis mehr. Die Folge: Die Arbeitsmotivation sinkt und das Gefühl unfairer Bezahlung steigt, weshalb CEOs mit Nachverhandlungen konfrontiert werden. Und das kann ganz schön teuer werden. Um das zu vermeiden, zahlen Arbeitgeber den Mitarbeitern gleiche Löhne, das Gehaltsniveau insgesamt wird gedrückt, überdurchschnittliche Gehälter kommen dann nicht mehr in Frage, so die Studie.

Verlust für die Arbeitnehmer

Dies kann sich wiederum negativ auf die Gender Pay Gap auswirken. Das Forscherteam fand nämlich durch Analysen auf Task Rabbit heraus, dass Männer in solchen Fällen eher eine Gehaltserhöhung einforderten als Frauen. Zu erwähnen ist aber auch, dass der Lohnnachteil für Frauen in Unternehmen mit hoher Transparenz geringer war. Das bedeutete jedoch nicht automatisch, dass sie mehr verdienten. Vielmehr war auch das Gehalt der Männer geringer. Bedeutet im Umkehrschluss, der Arbeitgeber profitiert an der Transparenz.

Klar ist also, dass eine hohe Gehaltstransparenz nicht nur Vorteile mit sich bringt. Zwar ist ein offener Umgang mit der Bezahlung für Gehaltsverhandlungen ein Bonus, doch kann das gerade für besonders geeignete Beweber im Rahmen von Vorstellungsgesprächen die Verhandlungsposition verschlechtern. So müssen sie sich womöglich unter ihrem Marktwert bezahlen lassen.


Nicole Plich

Nicole studiert den Klassiker „Irgendwas mit Medien” und hat noch den idealistischen Anspruch mit Wörtern die Welt zu bewegen. Wenn sie im Internet mal nicht nach lustigen Donald Trump-Memes sucht oder Fantheorien zu Game of Thrones liest, interessiert sie sich für Popkultur, Wirtschaft und was im Bundestag so vor sich geht.

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